AfD- Kandidat Jörg Prophet verliert knappes Rennen um das Bürgermeisteramt
Etwa 60.000 Häftlinge wurden im Zwangsarbeitslager Mittelbau-Dora festgehalten – einem Außenlager des berüchtigten Buchenwalds – nur sechs Kilometer vom Zentrum Nordhausens entfernt.nSie wurden gezwungen, unter brutalen Untergrundbedingungen V-2-Raketen herzustellen, wobei etwa jeder Dritte zu Tode arbeitete.
Ein AfD-Bürgermeister wäre bei Gedenkveranstaltungen in der Gedenkstätte des Ortes nicht willkommen gewesen, sagte Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, gegenüber AFP. "Die AfD ist eine rechtsextreme Partei, deren Ideologie in vielen Bereichen mit der Ideologie der Nationalsozialisten übereinstimmt oder ihr zumindest sehr ähnlich ist", sagte er.
Prophet wirkte vor der Abstimmung zuversichtlich und schenkte den Passanten an seinem Wahlkampfstand in der kleinen, aber wohlhabenden Stadt ein strahlend weißes Grinsen. Der 61-Jährige argumentierte, er sei ein Neuanfang für Nordhausen, nachdem der sechsjährige Amtsinhaber Buchmann nach wiederholten Auseinandersetzungen mit dem Stadtrat bei vielen Einwohnern in Ungnade gefallen sei.
Wie viele Mitglieder der rechtsextremen Partei wurde Prophet Extremismus und Geschichtsrevisionismus vorgeworfen. In einem Blogeintrag aus dem Jahr 2020 behauptete er, die alliierten Streitkräfte, die das Lager Mittelbau-Dora befreit hatten, seien nur daran interessiert, die Raketen- und Flugkörpertechnologie des Standorts auszuspionieren. Er forderte auch ein Ende des deutschen Schuldkults, ein Hinweis auf die Bemühungen des Landes, sich an den Holocaust zu erinnern und daraus zu lernen.
Am Ende gelang es Prophet jedoch nicht, die nötige Unterstützung zu gewinnen, um Bürgermeister der Stadt zu werden, und erhielt 45,1 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis garantiere ein "normales Leben für Nordhausen", sagte Buchmann nach Bekanntwerden des Ausgangs. Mit dem Ergebnis sei "eine enorme Last von uns genommen worden", sagte Wagner dem Nachrichtensender NTV.
Darin sei klargestellt worden, "dass man mit Geschichtsrevisionismus, mit einer Haltung, die das Leid der KZ-Häftlinge herunterspielt, keine Wahlen gewinnen kann", sagte er. Dennoch breiten sich rechtsextreme Einstellungen in Deutschland immer weiter aus, heißt es in einer diese Woche veröffentlichten Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Mittlerweile seien acht Prozent der Deutschen klar rechtsextremen Gesinnungen zuzuordnen, im Vergleich zu zwei bis drei Prozent in den Vorjahren, so die Stiftung. Die AfD, die 2013 als Anti-Euro-Gruppe gegründet wurde, bevor sie die Wut über die Massenmigration nach Deutschland aufgriff, konnte in letzter Zeit eine Reihe von Erfolgen verzeichnen.
Im Juni sicherte sich die Partei ihren ersten Landratsposten ebenfalls in Thüringen und im Juli ihren ersten Bürgermeister im benachbarten Sachsen-Anhalt. Auf Bundesebene liegt die Partei laut jüngsten Meinungsumfragen bei 22 Prozent, über der Mitte-Links-SPD von Bundeskanzler Olaf Scholz und nur wenige Punkte hinter der konservativen Hauptoppositionspartei.
Besonders stark ist die Unterstützung der AfD in Thüringen, wo sie laut einer aktuellen Umfrage des Regionalsenders MDR bei rund 34 Prozent liegt. Thüringen wird im September 2024 zusammen mit zwei anderen ehemaligen ostdeutschen Bundesländern, Brandenburg und Sachsen, über sein Regionalparlament abstimmen.
ag/bnm