"Bande von Idioten": Wie Gewaltexzesse auch Frankreichs Fußball erschüttern
Die gewalttätigen Vorfälle in Deutschlands Stadien haben mal wieder für heftige Diskussionen gesorgt. Auch in Frankreich kommt es vermehrt zu Krawallen, einzig eine Lösung scheint nicht in Sicht zu sein. Rennes-Trainer Bruno Génésio spricht nun Klartext.
In den vergangenen Wochen krachte es in und um einige deutsche Stadien. Am vergangenen Freitag lieferten sich Polizisten im Gästeblock des Hamburger Millerntor-Stadions mit Fans von Zweitligist Hannover 96 eine gewalttätige Auseinandersetzung. Daraufhin setzten die Einsatzkräfte Pfefferspray ein. Es gab mindestens 32 Verletzte. Nach der Partie griffen dann noch St.-Pauli-Anhänger Beamte an. Auch beim Bundesliga-Spiel zwischen Bochum und Köln setzte die Polizei Pfefferspray gegen Gästefans ein. Während des Duells Augsburg gegen Hoffenheim verletzten Anhänger der Kraichgauer Zuschauende mit Böllern. Ein Stadionbesuch erscheint für viele Fans so unsicher wie lange nicht.
Doch die Gewaltexzesse sind länderübergreifend ein großes Problem. So wurde etwa vor zweieinhalb Wochen in Frankreich der Bus von Olympique Lyon vor dem Spiel bei Olympique Marseille mit Steinen und Bierdosen angegriffen. Lyons Trainer Fabio Grosso wurde im Gesicht getroffen, das Spiel daraufhin abgesagt.
Die Disziplinarkommission des Liga-Verbandes (LFP) sanktionierte die Vorfälle ungewöhnlich mild: Das Spiel soll am 6. Dezember nachgeholt werden – im selben Stadion und mit Zuschauern. Die LFP war der Meinung, dass der Verein nicht zur Verantwortung gezogen werden könne, da die Vorfälle außerhalb des Stadions stattgefunden hätten. Gegen diese Entscheidung haben die Bosse von Lyon Berufung eingelegt.
Das Urteil zeigt jedoch, dass weder Politiker noch Fußballfunktionäre in Frankreich gern Verantwortung übernehmen und hart durchgreifen wollen. Dementsprechend häuften sich in den vergangenen Jahren schlimme Ereignisse. Vor zwei Jahren etwa bekam Marseilles Kapitän Dimitri Payet während des Spiels gegen Lyon eine Wasserflasche ins Gesicht. Nach der Partie forderte die Regierung ein Treffen mit der LFP, nach dem Olympique Lyon mit einem vollständigen Zuschauerausschluss bestraft wurde.
Im gleichen Jahr wurde Payet gegen OGC Nizza ein weiteres Mal von einer Plastikflasche am Rücken getroffen, woraufhin der Spieler den Gegenstand in Richtung der Nizza-Ultras zurückwarf. Als Reaktion darauf stürmten einige Anhänger den Rasen. Es kam zu einem Schlagabtausch zwischen Fans, Spielern und Betreuern. Die Partie wurde abgebrochen.
Die aggressive Grundstimmung sorgt für Frust bei den Klubs. "So kann es nicht weitergehen", fordert Rennes-Trainer Bruno Génésio gegenüber dem Sportbuzzer, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). "So etwas passiert in immer mehr Stadien, weil es eine Bande von Idioten gibt, die nicht da sind, um ihre Mannschaft zu unterstützen, sie wollen nur stören." Brisant: Der erneute Gewaltausbruch wirft nur ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Paris ein schlechtes Licht auf den gesamten französischen Sport. Das Problem mit gewaltbereiten Fans hat Deutschland demnach nicht exklusiv. Allein eine Lösung haben auch die Franzosen noch nicht gefunden.