Bundeswirtschaftsministerium hat angesichts der geplanten Neuregelung bei Heizungen vor Panikkäufen gewarnt
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat ein Hilfsprogramm zugesagt. Aus Sicht von FDP-Fraktionschef Christian Dürr ist das Konzept einer Einkommensorientierung der geplanten Hilfen für den Einbau von neuen Heizungen nicht ausreichend durchdacht. "Ich habe die Sorge, dass ein solches Unterstützungsregime ungerecht wird", sagte Dürr : "Wir sollten bei Heizungen keine Technologien verbieten, sondern nur Vorgaben zur CO2-Neutralität machen. Es kann doch bald Gasheizungen geben, die mit Wasserstoff betrieben werden können."
Nach einem Bericht von "Bild" will Habeck die Förderung für energetische Gebäudesanierungen deutlich anheben. Habeck lote Zuschüsse von bis zu 80 Prozent der beim Verbraucher anfallenden Kosten aus. Das Geld solle aus dem Fonds für Energieversorgung und Klimaschutz kommen. Eine Ministeriumssprecherin sagte "Bild": Ziel sei es sicherzustellen, dass die Kosten einer Wärmepumpe insbesondere auch von einkommensschwachen Haushalten und Bürgern mit mittleren Einkommen getragen werden können: "Der Einbau einer Wärmepumpe, Biomasseheizung oder der Anschluss an ein Wärmenetz soll grundsätzlich weiterhin bezuschusst werden, um die Differenz zur günstigeren Gasheizung zu verringern."
Der Handwerksvertreter kritisierte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne): "Es gelingt eine Klimawende eher nicht mit einem Fingerschnipsen am Kabinettstisch." Auch die Heizungsindustrie zeigte sich unzufrieden mit dem Entwurf. Er vermisse die Gleichbehandlung anderer erneuerbarer Energieträger wie Holz oder Bio-Gas, sagte Hauptgeschäftsführer Markus Staudt vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Hintergrund ist die Diskussion über einen Gesetzentwurf, der für den Einbau neuer Heizungen ab 2024 verschärfte Regeln vorsieht. Nach einer Übereinkunft der Koalition aus dem Frühjahr 2022 soll von 2024 an möglichst jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Dies könnte auf ein De-facto-Verbot neuer Verbrennerheizungen hinauslaufen. Die für viele Eigentümer und Mieter wichtigen Details für Übergang und Betriebsfristen sind aber noch nicht festgelegt.
Für den deutschen Gebäudebestand gebe es keine einheitliche Lösung, mahnte Timm Kehler vom Lobby-Verein "Zukunft Gas", der moderne Gasheizungen als Teil der Lösung begreift. Mindestens die Hälfte der Gebäude hierzulande sei nicht auf dem Stand, dass Wärmepumpen eingebaut werden könnten. Habecks Gesetzentwurf sei zu scharf, weil "hunderttausende Immobilienbesitzer in erhebliche Mehrinvestitionen getrieben oder mangels Handwerker oder technischer Lösungen vor unlösbare Aufgaben gestellt würden." Die hohen Anforderungen führten dazu, dass Modernisierungen zum Luxus werden und mehr als 500 000 Gasheizungen im Jahr repariert und nicht modernisiert würden. So bleibe man in der Vergangenheit eingeschlossen, statt einen wirksamen Aufbruch zum klimaneutralen Wohnen zu schaffen.
Nach den Worten von Netzagentur-Chef Klaus Müller läuft die Zeit für Gasheizungen ab. Als wichtigste Alternative gelten Wärmepumpen. Allerdings gibt es Sorge, dass die Stromnetze dafür nicht gerüstet sein könnten. Müller betonte dazu in der "Rheinischen Post", man wolle Überlastungsproblemen im lokalen Stromnetz vorbeugen. "Und dabei ist ganz klar, dass Verbraucher nicht abgeklemmt werden dürfen." Nur wenn lokale Netzbetreiber eine Gefahr für die Netzstabilität nicht anders abwenden können, könnten sie die Leistung vorübergehend dimmen. Wärmepumpen und Ladesäulen dürften aber nicht ganz abgeschaltet werden, sagte Müller.
Agenturen/bnm